A-Wurf: Die Suche nach der Ursache

12.09.2015 

Wir haben bei der harten Geburt meines A-Wurfs mehrere Schocks verkraften müssen.

 

Nachdem unser Tierarzt (der um 3.30 Uhr in der Nacht  zu uns nach Hause kam, und auf unser Bett kletterte  - weil Binoche unbedingt dort ihre Welpen gebären wollte - um Binoche zu untersuchen) feststellte, dass der große Kopf im Geburtskanal vielleicht aber vielleicht nicht durch den Becken passt, hat er Oxitocin und Sensiblex gespritzt, wir haben 30 Minuten gewartet und sind alle gegen 4.45 Uhr morgens in seine Praxis gefahren.  

 

Es gab einen Kaiserschnitt um halb sechs morgens und sehr unglückliche Überraschungen. Ein Welpe hatte eine Darmschlinge. Wir haben ihn gleich erlösen lassen. Ein Mädchen hatte eine Gaumenspalte. Wir entschieden, sie mitzunehmen. Ein Mädchen war völlig in Ordnung. Noch ein sehr großes, perfekt gezeichnetes Mädchen, das im Geburtskanal steckte und inzwischen tot war, hatte noch mehr Gaumenspalte. Ich war ungefähr 10 Minuten wie erstarrt und habe dann eine richtige Heulattacke bekommen. Wie furchtbar!

 

Binoche hat zwar die kleine Tochter mit Gaumenspalte versorgt, war aber deutlich gröber als mit der gesunden Tochter. Ich konnte auch beobachten, wie sie den nicht gesunden Welpen durch die Wurfkiste rollte, um den Welpen in der entferntesten Ecke liegen zu lassen. Offenbar war der Mutter sehr bewusst, dass etwas mit dem Welpen nicht in Ordnung war.

Nachdem ich mit Diegos Züchterin in Kanada am Abend darüber gechattet hatte - sie ist 9 Zeitstunden westlich von Deutschland - war ich überzeugt, dass ich das Welpchen mit der Gaumenspalte über einer Magensonde füttern muss. Ein Anruf bei meinem Tierarzt war unergiebig. Ich rief anschließend in der Gynokologie an der Tierklinik der Uni Gießen an, und habe dort um Unterstützung gebeten. Eine Dreiviertelstunde später gegen 21 Uhr wurde ich mit dem Welpen an der Tür der Klinik vom Tierarzt abgeholt.  

 

Zuerst wurde ich über die Behandlung von Gaumenspalten, inkl. unterschiedlicher Methoden, Aufwand und Kosten,  sehr ausgiebig aufgeklärt. Danach wurde die kleine, agile Hündin untersucht. Obwohl ich ihr tagsüber etwas Leberbrühe und Glukose eingeflößt hatte, war bei ihrer Haut schon zu sehen, dass sie langsam austrocknete. Anders als das gesunde Baby, das in der Lage war, die Vormilch von Binoche zu saugen, hat die Gaumenspalte verhindert, dass die kleine Hündin Unterdruck an der Zitze erzeugen konnte.  

 

Die Gaumenspalt war ziemlich groß, die Prognose eher schlecht, eventuelle weitere Gesundheitsprobleme wahrscheinlich, die potentiellen Kosten nicht wenig, der vorhersehbare Zeitaufwand meinerseits monumental, der emotionale Preis vermutlich ebenso monumental. In einem Telefonat mit Benno wurde uns klar, dass das Risiko eines Scheiterns viel zu hoch war in Vergleich zu den Kosten in Zeit, emotionaler Energie und Geld. Ganz schweren Herzens habe ich mich von der kleinen Hündin verabschiedet :(

 

Das passierte alles gestern. Heute habe ich mich mit Binoche und ihrem Kind beschäftigt, mir sehr viele Gedanken über die Ursachen und Folgen dieser Geburtsfehler gemacht und mit Benno darüber geredet. Meine sofortige Entscheidung, Binoche aus der Zucht zu nehmen, stellt mein Ehemann infrage. Ein Züchterfreund hinterfragte heute auch diese Entscheidung. Genauso, wie ich die Risiken der Zucht ein halbes Jahr lang untersuchte, ehe ich mich entschied, dass ich Boston Terrier züchten möchte, muss ich für mich und meiner Hündin feststellen, wie es zu diesen gehäuften Geburtsfehlern kommen konnte. Erst dann kann ich Benno eine klare Aussage zu seinem Wunsch machen, Binoche doch nicht aus der Zucht rauszunehmen.  

 

Ich habe mich entschieden, diesen Prozess öffentlich zu machen. Gestern habe ich doch der ganzen Facebook Welt proklamiert, dass Binoche keine weiteren Würfe haben wird. Sollte ich diese Entscheidung revidieren, sollten die Gründe dafür offen und sichtbar für jeden Interessierten sein.
 

So... jetzt lerne ich das Schreiben einer Blog kennen. 

18. Oktober 2015, 14:34

 

Entscheidungen...

Meine ersten Gedanken bei der Geburt waren bekanntlich, Binoche aus aus der Zucht zu nehmen. Benno hat mir diese Entscheidung inzwischen ausgeredet.

Dann habe ich mich dazu entschieden, den einzelnen Welpen auf jeden Fall an eine Familie zu übergeben, in dem sie wie die Prinzessin behandelt wird, die sie ist. Auf keinen Fall sollte sie in die Zucht gehen. Benno hat aber sehr viel dagegen, sie abzugeben.

Bin ich in der Lage, "vernünftige" Entscheidungen zu treffen, wenn mein Benno mich jedes Mal umstimmt? Auf der anderen Seite: bewahrt er mich davor, vorschnelle Entscheidungen zu treffen, aus Angst, ich könnte Fehler machen?

So oder so mache ich Fehler.

Also nutze ich den Freiraum der Frau und ändere meine bisherigen Entscheidungen.

Binoche bleibt in der Zucht. Vorerst.

Tori bleibt bei uns. Vorerst.
 
 

18. Oktober 2015, 14:26

 

Teilergebnisse

Das große Blutbild mit Zusatzuntersuchungen hat nichts besonders ergeben. Benno und ich haben aber auch festgestellt, dass er die Hunde immer auf Wiesen spaziert ist, die besonders stark gedüngt werden. Nach jenen Düngemitteln haben wir nicht untersucht. Bei ca. €300 für die Untersuchung, wiederholen wir sie auch nicht.

Das Fressen ist in Ordnung. Beim Barfen mache ich keine groben Fehler, die die Geburtsfehler verursacht haben könnten.

Was nun?

Deutsche Züchter haben die Menge an Folsäure in Frage gestellt, die ich gefüttert habe. Anders als in den USA wird hier vermutet, dass zuviel Folsäure Schäden verursachen kann.
 
 

15. September 2015, 21:15

 

Infektion?

Ich lese täglich in mehreren Facebook-Gruppen, unter anderem in "The American Gentleman Knowledge Center". Dort hat am 29.​10.​2014 Dr. Kathryn Graves (Katbird Bostons) folgenden Text gepostet "If anyone has a problem with cleft palates, please try keeping your male dogs, as well as your pregnant bitches, on 400-800 mcg of folic acid and let me know if it reduces the incidence of clefts.​"

Seitdem bekommen meine Jungs täglich 600 mcg Folsäure von der Firma Nobelin. Binoche hat seit Beginn ihrer letzten Läufigkeit 1200-1800 mcg täglich bekommen.

Nach der Geburt habe ich das traurige Ergebnis meines 1. Wurfes als Kommentar hinterlassen und habe mehrere Denkanstöße von erfahrenen Boston Züchtern bekommen. Unter anderem war die Frage, ob Binoche Antibiotika während der Trächtigkeit einnahm. Nein, hat sie nicht, aber 2 Tage Nachdenken haben mich daran erinnert, dass sie ca. 1 Woche nach dem Ultraschall einen Analdrüsen-Abzess entwickelte. Der Abzess wurde mit kühlen, feuchten Tüchern und einer antibiotischen Salbe behandelt und war eine Woche später vollkommen verschwunden.

Aber was ist, wenn Bakterien den Weg über die Vulva in die Gebärmutter gefunden haben?

Ich muss morgen Urin von Binoche beim TA abliefern und werde den TA diesbezüglich ansprechen. Ich spreche auch die Repro-Tierärztin an, die den Abzess behandelt hat.

Ist dies vielleicht die Ursache?
 
 

13. September 2015, 18:27

 

Tratschen: Schlecht für die Rasse

Es ist mir schon bekannt, dass über mich geredet wird. Es War vom Anfang an so, und ich kann es nicht beeinflussen.

Wer nicht den Mut hat, mich auf meinem Lernweg zu begleiten sondern mit Halbwissen über mein Handeln zu spekulieren, verliert 1) meinen Respekt 2) die Möglichkeiten mir was Besseres zu lehren und vielleicht sogar selbst etwas Neues zu lernen.

Vielleicht mache ich manches, was euch nicht gefällt, weil ich es anderes gelernt habe. Ganz sicher mache ich Anfängerfehler, weil mein Blickfeld aus Mangel an Erfahrung noch nicht breit genug ist. Auf jeden Fall musste ich meinen intellektuellen und kommunikativen Lernenprozess auf meinen Heimatskontinenten auslagern, weil hier die wenigsten Züchter bereit waren, ihr Wissen mit anderen, zumindest mit mir, zu teilen. Beides ist aus meiner Sicht schädlich für die Zucht. Die Rasse profitiert NICHT von einzelnen "Top Züchtern" oder selbsternannten "Eliten" sondern von vernetztem Wissen und gemeinsamen Lernen, von Lernen aus Fehlern, von offener Informationen über gesundheitlichen Themen. Ich habe lange dafür im 1.​CBD gekämpft und scheiterte. In den USA und Canada bin ich eher fündig geworden.

Große Lust hätte ich, hier Namen zu nennen. Das wäre genauso kindisch wie das Tratschen, deswegen lasse ich es.

Ich fordere euch auf, mich nach meinen Beweggründen zu fragen, wenn ihr nicht versteht, warum ich so oder so handele. Auf ein offenes, ehrliches Gespräch freue ich mich immer, auch wenn es nicht immer einfach ist. Zumindest habt ihr dann Stoff direkt von mir, mit dem ihr tratschen gehen könnt.
 
 

13. September 2015, 16:38

 

Der Plan: Umwelteinflüße

Die ersten drei Schritte meines "Forschungsplans" sind fest.

1) Anfang der Woche geht eine Probe meines sorgfältig selbst gemischten Futters (BARF) an die Ernährungsberatung der Ludwig-Maximillian-Universit­ät. Sie sollen feststellen, ob ausreichende Nährstoffe für eine trächtige Hündin vorhanden sind.

http:​/​/​www.​ernaehrung.​vetmed.​uni-muenchen.​de/​service/​ernaehrungsberatung/​eb_hunde/​index.​html

2) Binoche muss eh am Montag zum Tierarzt, also lasse ich ein großes Blutbild machen. Das Labor soll auch nach Resten der gängigen Pestiziden im Blut suchen.

3) Ich habe heute Kontakt mit einer Forscherin in den USA aufgenommen, die Interesse an der Effektivität von Folsäuregaben zur Verhinderung von Gaumenspalten in Boston Terriern hat.

Ohne den Plan würde ich vermutlich heulend bei Binoche und ihrem Hundekind liegen.
 
 

13. September 2015, 16:13

 

Launen der Natur?

Während ich ungefähr ein halbes Jahr lang untersucht habe, ob ich Boston Terrier züchten möchte, habe ich die typischen Krankheiten der Rasse "erforscht". Dabei habe ich gelernt, dass Gaumenspalten zu den sogenannten "Midline Defects" gehören, also zu den Geburtsfehlern, die durch genetische oder auch umweltspezifische Einflüße auftreten. In den Trächtigkeitstagen 25-30, wenn die beiden Körperhälften der Föten zusammenwachsen sollen, kann der Entwicklungsprozess durch negative Umwelteinflüße wie z.​B. Stress, Erkrankung der Mutter, Laufen durch mit Pestaaziden gespritzte Felder, uvm gestört werden.

Viele Züchter meinen, Gaumenspalten seien eine "Laune der Natur", dass sie einfach mal passieren. Meiner Meinung nach sind "Launen der Natur" Dinge, die wir nicht erklären können.

Um eine vernünftige, nachvollziebare Entscheidung um die Zuchtzukunft meiner Binoche treffen zu können, ist is mir wichtig, die Ursachen zu verstehen. Vielleicht ist das Ergebnis, dass ich hinterher nicht klüger bin. Ich muss es aber versuchen. Ich kann diese fürchtlichen Geburtsfehler nicht einfach als "Launen der Natur" abtun und weitermachen.
 
 

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